Lehrlingstage in Frankfurt

 
Am Morgen des 21.09.2008 machten sich meine Mitschülerinnen, meine Lehrerin und ich zu den 13.ten internationalen Lehrlingstagen in Frankfurt am Main auf. Die Reise begann verhältnismäßig früh, da unser Zug bereits um 11:00 Uhr in der Frühe abfuhr. Nach fünfstündiger Fahrt erreichten wir letztendlich unser gemeinsames Ziel, an welchem wir bereits sehnsüchtig erwartet wurden. Hr. Kießling, einer der Organisatoren, begrüßte uns am Bahnhof und gab uns erste Informationen über den kommenden Ablauf der folgenden Tage. Zusammen mit einer weiteren Zahntechnikerklasse aus Bremen, machten wir uns auf den Weg in unsere Unterkunft – eine Jugendherberge. Als wir dort ankamen, herrschte bereits großer Andrang, da Zahntechniker aus ganz Deutschland aber auch aus dem näheren Ausland, wie z.B. Italien, Dänemark oder Österreich, angereist waren. Sofort wurden wir in dem Empfangsbereich gebeten und man stellte uns drei weitere wichtige Personen dieser Veranstaltung vor. Diese gaben Instruktionen zu den kommenden „Workshops“ und verteilten uns auf die verschiedenen Zimmer.

Es blieb wenig Zeit die Zimmer zu beziehen, da das Abendessen bereits eröffnet war. Gleich im Anschluss daran, wurden wir in den hauseigenen Terrassensaal gebeten, wo sich alle angehenden Zahntechniker, Lehrer, Organisatoren und weitere wichtige, die Veranstaltung betreffende Personen versammelt hatten. Man stellte einander vor und erhielt weitere Informationen über den Ablauf, aber auch über die kulturellen Möglichkeiten in Frankfurt am Main.

Nach diesem ersten Teil der fünftägigen Exkursion, hatten wir beschlossen, das hinter der Jugendherberge befindliche „Sachsenhausen“, ein altes Kneipenviertel, zu besuchen. Zwischen duzenden Bars, Kneipen, Restaurants und anderen Lokalitäten zog es uns zu guter Letzt in eine orientalische Shisha-Bar. Dort verbrachten wir noch einige Stunden zusammen und ließen den ersten Tag Revue passieren.

Der nächste Tag begann mit diversen Fachvorträgen. Unter anderem wurde ein sehr interessanter Vortrag zu dem Thema „Systempartnerschaft zwischen Zahnarzt und Zahntechniker“ geführt. Dessen Kernpunkt lag darin, dass die Kommunikation zwischen Zahnarzt und Zahntechniker deutlich verbessert werden muss, um das gemeinsame Ziel mit der größt möglichen Zufriedenheit des Patienten zu bewerkstelligen. „Controlling“ nannten es die Referenten, was im Grunde eine „Checkliste“ verschiedener Punkte war, die die Qualität der prothetischen Versorgung durch Rücksprache, Absprache und Informationsaustausch gewährleisten sollte.

Einen weiteren Vortrag hielt ein ehemaliger Zahntechniker, welcher Fuß in der Industrie gefasst hatte. Er referierte über die möglichen Werdegänge nach dem erfolgreichen Abschluss zum Zahntechniker.

Der letzte Vortrag, dessen Thema der Gebissformer war, hinterließ jedoch einige Fragen. Über Sinn und Zweck waren sich jedoch nicht nur die Zahntechniker uneinig.

Am Nachmittag begannen die verschiedenen „Workshops“ an verschiedenen Standorten. Einige der Schüler mussten in die nähere Umgebung Frankfurts reisen damit sie an ihren Kursen teilnehmen konnten. Meine ersten Kurse fanden in der nahegelegenen Bergiusschule, welche Mitveranstalter war, statt.

CAD CAM war mein erster „Workshop“. Zu zwölft saßen wir in einem der vielen Klassenzimmer, in welchem ein Mitarbeiter von „KAVO“ bereits die nötigen technischen Hilfsmittel installiert hatte. Er stellte uns das „Everest-System“ vor, welches ein computerunterstütztes System zur digitalen Bearbeitung des zuvor eingescannten (virtuellen) Modells war. Er zeigte uns die vielfältigen Anwendungsbereiche und Möglichkeiten, die das System darbot. Selbst konnte ich auch einmal in das System eingreifen und feststellen, wie einfach dieses Programm war. Automatisch errechnete das System die möglichst beste Lösung für das Modell, wobei Kronen-/Brückendicke, Präparationsgrenzen, Approximalkontakte und diverse andere relevante Faktoren berücksichtigt wurden. Selbstverständlich konnte man auch manuell in das Programm eingreifen und eventuelle Unregelmäßigkeiten wurden abgeändert.

Mein zweiter Kurs fand nur wenige Zimmer weiter weg statt. „Farbdifferenzierung“ war das Thema und die Firma „Vita“ hatte hierzu einen Mitarbeiter beauftragt uns in die Vielfältigkeit des menschlichen Auges einzuführen, um zu verstehen, wovon das korrekte Differenzieren abhängig wäre. Gegen Ende dieses „Workshops“ bestimmten wir in Partnerarbeit gegenseitig unsere Zahnfarbe.

Nach Beendigung der Kurse trafen wir uns alle beim Abendessen wieder, wo wir erste Eindrücke und Erfahrungen austauschten. Der Abend gestaltete sich sehr vielfältig, da Schüler der Bergiusschule sich für das Abendprogramm anboten.

Die Kurse des dritten Tages zogen mich ins Umland Frankfurts. Zum einen ging es nach Roßbach, wo uns die Firma „Degudent“ erwartete. Unsere Aufgabe war es konfektionierte Frontzähne zu individualisieren und unseren Wünschen nach zu gestalten. Dazu präsentierte „Degudent“ das neue „in-joy“-System, welches aus diversen Farben und Füllstoffen bestand. Mit den Farben hat man Verfärbungen, Karies, Schneiden und verschiedene andere Effekte in den zuvor aufgebohrten Zahn eingearbeitet und nachträglich mit dem Füllmaterial, welches wie die Farben in den unterschiedlichsten Schattierungen vorhanden war, aufgefüllt.

Der letzte Kurs fand im 50 km entfernten Langen statt. Nun galt es eine Keramikkrone zu modellieren. Wiedereinmal bot die Firma „Vita“ diesen „Workshop“ an. Empfangen wurden wir in einem sehr modernen und teueren Labor. Jeder Arbeitsplatz bot einen eigenen Keramikoffen, das Labor war mir modernster Technik ausgestattet und bestach durch seinen neuzeitlichen Stil. Zwei Mitarbeiter erklärten und demonstrierten uns anhand von einer Übungskrone unsere kommende Aufgabe. Schritt für Schritt wurden uns die Arbeitsschritte verdeutlicht und uns gezeigt, worauf es wirklich bei dem „Keramik-Schichten“ ankommt.

Während der Arbeit begleiteten uns die Mitarbeiter auf Schritt und Tritt und zeigten uns kleine Tricks die das letztendliche Ergebnis verbesserten. Am Ende des Kurses hielt ich somit meine eigene und erste Keramikkrone in der Hand.

Nach den Kursen ging es wieder zurück nach Frankfurt und wir aßen wiedereinmal zusammen. Erneut erzählten wir von unseren Kursen und zeigten unsere Arbeiten, welche wir zuvor gefertigt hatten.

Der vorletzte Tag sah ein straffes Kulturprogramm vor. Am Morgen wurde neben diversen Museumsbesuchen auch eine Stadtrundführung angeboten, an welcher wir gemeinsam teilgenommen haben. Dabei wurden wir vor allem durch das berühmte Bankenviertel geführt, aber sahen auch einen Teil der Altstadt Frankfurts. Nach der Stadtführung sah das Programmheft eine Überraschung vor. Leider schien das Verständnis von Überraschung eher unterschiedlich zu sein, denn sie führte uns in ein altes Kloster. Nach einer einstündigen Klosterführung, bekamen wir doch noch unsere Überraschung. Ein Rundgang durch die angrenzenden Weinberge mit dazugehöriger Weinverkostung war der Höhepunkt unseres Kulturprogramms. Der Veranstalter, ein ortsansässiger Winzer, präsentierte uns die verschiedensten Wein- und Sektsorten, die Hessen zu bieten hatte. Zu guter Letzt stand noch ein großes Abendessen in dessen Wirtshaus an.

Gegen 21:00Uhr kamen wir alle mehr oder weniger nüchtern in der Herberge an.

Der Abend bot noch einige Ausgehmöglichkeiten und rundete die gesamte Fahrt gebührend ab.